Donnerstag, 28.03.2013
Das Zimmer ist ruhig und hat Blick auf den Innenhof mit Pool und Springbrunnen. Wir haben gut geschlafen und starten fröhlich in den Tag.Das Frühstück ist nicht inklusive und so futtern wir die Reste von unseren Reisevorräten. Jetzt haben die Banane und der Apfel ihren großen Auftritt und sind höchst willkommen. Außerdem habe ich für solche Gelegenheiten zwei Packungen Frühstückskekse eingepackt (und vermutlich auch illegal eingeführt).
Wir möchten uns zuerst einen Überblick über das French Quarter und seine Umgebung verschaffen und buchen eine 3 stündige geführte Segway Tour für insgesamt $135. Um 10.00 Uhr geht es los. Zuerst ein Info Film übers Segwayfahren und alles was man dabei vermeiden sollte, dann wird das Fahren im Laden geübt und schließlich geht es auf die Straße. Da wir in Hamburg schon einmal eine Tour gemacht haben, gewöhnen wir uns schnell wieder an den Segway, auch wenn es jetzt ein neueres Modell mit etwas anderer Lenkung ist. Außerdem ist es ohnehin kinderleicht. Wir werden in drei Gruppen aufgeteilt und sind nur acht Leute plus Guide. Unser Guide ist eine flotte junge Frau Mitte dreißig. Eine andere Gruppe bekommt einen Guide, die schon fast in den 70ern war und sagen wir es mal so: recht unkonventionell wirkte. Wäre sicher auch lustig geworden.
| Heike auf dem Segway |
Wir fahren durch das French Quarter, den Louis Armstrong Park, Treme und durch die hippe Gegend rund um die Frenchmen Street. In Treme machen wir einen Snack Stop in einem echt hippen Hipster Café und teilen uns ein sehr leckeres Panini Sandwich. Wir waren die einzigen ohne Apple Notebook auf dem Schoß.
| Louis Armstrong Denkmal im gleichnamigen Park |
Das French Quarter ist einerseits Touristenfalle, andererseits wunderschön: weiße und pastellfarbene zweistöckige Häuser mit Innenhöfen und geschmiedeten Balkonen, von denen Partygäste einem bunte Plastikketten zuwerfen (ja, auch ich habe am Abend eine bekommen, es geht auch ohne "blankziehen"). Die Bourbon Street geht mitten hindurch. Abends wird sie zur Party Meile. Treme ist ein Wohnviertel mit hübschen Holzhäusern in unterschiedlichsten Renovierungsstadien. Nachdem New Orleans durch und nach Katrina sehr viele Einwohner verloren hat, ist es jetzt die Stadt in den USA mit dem höchsten Einwohnerzuwachs. Es wird viel gebaut und renoviert und die Immobilienpreise in den angesagten Vierteln sind hoch. Die Frenchmen Street zeichnet sich durch die diverse Restaurants und Clubs aus, die unser Guide uns auch sehr an Herz legte.
| Schön geschmücktes Haus im French Quarter |
Nach der Segway Tour bummeln wir zu Fuß weiter. Auf der Suche nach einem Mittagsimbiß landen wir in einem großen Einkaufzentrum direkt am Mississippi. Es hat schon bessere Tage gesehen und von den Läden im Fourtcourt sind viele geschlossen. Da ich wieder wild entschlossen bin, etwas typisches aus der Region zu essen, bestelle ich ein Seafood Jambalaja, das unter Suppen gelistet ist. Es ist dann eine Reispfanne, lecker aber so scharf, dass ich nicht alles aufessen kann. Vermutlich werden das creolische Essen und ich keine großen Freunde. Steffen hat solche Probleme nicht, er bestellt ein "Slice of Pizza".
Jetzt geht es wieder ins French Quarter zurück. Ich möchte den berühmten French Market sehen. Unterwegs kommen wir an mehreren Süßwarenläden z.B. "Best Pralines - Southern Candymakers" vorbei. Wobei mit Praline ein mürber Keks gemeint ist, der hier Kultstatus hat. Es gibt Bonbons, Kekse, Schokolade, Eis und natürlich "Fudge". Die Produktion ist immer direkt im Laden hinter einer Glasscheibe. Wir können bei der Herstellung diverser Leckereien zuschauen. Manchmal gibt es auch "Samples" zum Probieren. Die Sachen sehen toll aus. Vielseitig, wunderschön ausgarniert, liebevoll angerichtet und verpackt. Aus Erfahrung wissen wir aber schon, daß sie uns viel zu süß sind. Ok. Das Eis ist eine Ausnahme. Das geht immer.
Weiter geht es. Viele Touristen sind unterwegs. Wir hören und sichten jedoch fast nur US Amerikaner auf Osterurlaub. Auf Europäische Touristen treffen wir hier und im Panhandle fast nicht. Jetzt sind wir am Jackson Square. Hier kann man für $90 30 Minuten eine Kutsche mieten. Die Kutschen werden von Maultieren (Vater Esel/Mutter Pferd) gezogen. Außerdem gibt es viele Künstler, in erster Linie Maler, die ihre Bilder, Kollagen und Fotografien verkaufen. Dazu kommen einige Voodoo Queens, die einem aus der Hand lesen, Tarotkarten legen etc. Gegen Abend ist Schichtwechsel. Die Queens werden deutlich jünger, die Künstler weniger und die Musiker mehr. Akrobaten zeigen ihre Kunst.
Eher ungewöhnlich sind die farbigen Schuhputzer, die nur mit zwei Lappen und einer Flasche mit Flüssigkeit (vermutlich nur Wasser) unterwegs sind. Sie stürzen sich auf die fast ausschließlich weißen Touristen und lassen sich nur schwer abzuwimmeln. Schuhe Putzen kostet zwischen $5 und $10. Den Preis können die Kunden selber wählen. Ob die Dienstleistung ihren Preis wert ist, wagen wir zu bezweifeln. Wir selber haben Sneaker an und kommen glücklicherweise als Kunden eher nicht in Frage.
| Voodoo Bone Lady bei der Arbeit |
| Ein sich tot stellender Hund soll den Touristen das Geld aus der Tasche locken |
| Eingang vom French Market |
Endlich ist ein Tisch frei für uns. Es ist inzwischen 19.15 Uhr. Der Laden ist klein, schrammelig, in die winzige Küche man reinschauen aber alles wirkt sehr heimelig. Irgendwann kommt endlich der Kellner und stellt die Tagesgerichte vor (damit ist gemeint: es rasselt sie einmal und ohne Preisangabe blitzschnell herunter). Gefühlt ist bei mir schon Mitternacht vorbei (Jetlag). Wir verstehen kaum was und er muss noch mal alles aufsagen. Hat aber auch nicht geholfen. Dafür sind wir in seiner Gunst deutlich gesunken, weil wir dann doch von der preiswerteren Standardkarte bestellt haben.
Leider sind wir mit unserem Essen nicht zufrieden. Wässerige Pastasoße und Fischgeschmack beim Fleisch. Das hätten wir bei den vielen Auszeichnungen und Empfehlungen nicht erwartet.
Bevor es ins Hotel geht, bummeln wir durch die Bourbon Street und die angrenzenden Seitenstraßen. In allen Kneipen, Restaurants und Clubs gibt es Livemusik. Außerdem spielen noch Straßenmusiker. Eintritt wird nicht genommen, die Musiker haben aber alle ihre Trinkgeldeimerchen aufgestellt. Es ist wohl noch Vorsaison und die meisten Läden werben damit, daß es keinen Mindestverzehr gibt. Die Musik ist wirklich gut und bewegt sich zwischen Jazz, Rock, Folk und Pop je nach Laden. Obwohl man auf deutlich mehr Gäste eingestellt ist (morgen, am Karfreitag sollten sie auch in Scharen anreisen) herrscht jetzt schon muntere Ballermann Stimmung und die Amis lassen die Sau raus.
Ich bin leider zum ziemlich müde und habe mir auch schon blöderweise 2 üble Blasen unter den Füßen gelaufen. Deshalb lassen wir das Nachtleben Nachtleben sein und gehen in unser Hotel. Auch hier wird Livemusik gespielt. Ich wache um 2.00 Uhr und um 5.00 Uhr auf und kann immer noch leise Musik hören. Aber kurz vor 6.00 Uhr war die Party dann auch vorbei.