Karfreitag, 29.03.2013
New Orleans ist eine der wenigen US-Städte, die man sich mit Bussen, Straßenbahnen und zu Fuß erschließen kann. Die Tageskarten für öffentliche Verkehrsmittel kosten drei Dollar, gültig für Bus und Streetcar.
Und genau das haben wir auch vor. Um 10.00 Uhr ringen wir dem Fahrkartenautomaten 2 Tagestickets ab und starten Richtung Audubon Park. Wir hatten erwartet mit dem Streetcar zu fahren, stattdessen fanden wir nur einen Bus. Unterwegs stellten wir fest, daß die Passagiere auf der Strecke alle in Busse umsteigen mußten. Es gab wohl technische Probleme. Aber wir fahren an den Schienen entlang und durchqueren auch den Garden District, den wir später auch noch zu Fuß durchstreifen. Hier gibt es großzügige und wunderschöne Gärten, noble Villen und alten Baumbestand.
Entlang der Strecke fallen wieder die Perlenketten auf. Sie hängen überall und in großer Zahl: auf Oberleitungen, Büschen, Bäumen, Zäumen, Pfosten, Fahrrädern usw.
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| Zaun voll mit Perlenketten |
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| Auch Bäume werden nicht verschont |
Nach etwa 30 Minuten kommen wir am Audubon Park an und durchqueren ihn zu Fuß. Es ist ein schöner Landschaftspark und wir sichten unser erstes Squirrel (kein USA Urlaub ohne Hörnchen :)). Außerdem sehen wir viele Wasserschildkröten, die sich dicht an dicht (es sieht ein bißchen so aus, wie die Bilder von Auffahrunfällen auf Autobahnen) auf alten Baumstämmen bzw. Treibholz in der Sonne aufwärmen sowie diverse Vogelarten. Danach laufen wir die Magazin Street (viele kleine Läden, aber auch Strecken nur mit Wohnhäusern) entlang, um mehr von New Orleans zu sehen, als nur das French Quarter. Auch hier gibt es wieder kleine Konditoreien mit wunderschönen Auslagen.
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| Hochzeits-Oreo Kekse |
Wir essen in einem schicken
französischen Restaurant ein leckeres Mittagessen und gehen dann in den Garden District, um den Lafayette Cemetery anzuschauen. Leider soll er in wenigen Minuten schließen, aber es sind noch so viele Menschen hier, daß wir ihn auch noch anschauen können, ohne eingeschlossen zu werden. Auf den Grabtafeln stehen viele deutsche Namen. Die Gräber sind alle überirdisch in kleinen Mausoleen, da der sumpfige Boden die Toten sonst wieder an die Erdoberfläche drücken würde.
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| Grab der deutschstämmigen Familie Freudenstein |
Wir gehen zur Magazin Street zurück und biegen etwas später Richtung Mississippi ab. Wir sind noch eine Weile in eher einfachen Wohnvierteln unterwegs, bis wir endlich am T-Mobile Shop sind, in dem Steffen eine amerikanische SIM Karte für sein Handy kauft, damit wir hier günstig telefonieren und surfen können (Flatrate zum Telefonieren und Surfen für $3 am Tag). Jetzt noch einen Stop im Walmart gleich um die Ecke. Danach machen wir uns (schon ein bißchen schlapp) auf die Suche nach der nächsten Bushaltestelle. Nach einer Weile haben wir sie gefunden und der Bus kommt auch gleich. Aber es ist nicht mehr der Touristenbus. Bis auf eine Ausnahme sind wie die einzigen Weißen. Auch herrscht hier ein strenges Regiment. Mit offener Cola Dose dürfen wir nicht rein, Steffen muss sie wegschmeißen. Und dieser Busfahrerin hat bestimmt noch niemand widersprochen. Im Bus hängen Plakate, die saftige Strafen ankündigen, wenn man Busfahrer beleidigt oder angreift.
Um 17.00 Uhr sind wir im Hotel und machen ein kleines Päuschen. Um 17.30 Uhr geht es aber wieder los Richtung Mississippi. Wir fahren noch 2 Stationen mit dem Streetcar (das Tagesticket muß sich ja bezahlt machen) zum Fähranleger. Die Canal Street Ferry fährt alle 30 Minuten über den Mississippi nach Algiers, einem anderem Stadtteil von New Orleans. Für Fußgänger ist sie kostenlos. Wir hatten uns gegen eine Fahrt mit dem Steamboat auf dem Mississippi entschieden (teuer, aber wenig zu sehen wegen der hohen Deiche). Die Fähre ist unsere Alternative. In Algiers machen wir einen kleinen Spaziergang und fahren mit der 19.00 Uhr Fähre wieder zurück.
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| Streetcar |
Langsam wird es Zeit für das Abendessen, aber wir haben kaum Hunger. Außerdem wollte ich unbedingt noch in das in wirklich allen Reiseführern angepriesene
Café Du Monde gehen und Beignets essen und Milchkaffee trinken. Also auf ins Café Du Monde.
Also... wenn man an Reinkarnation glaubt und es auf diesem Planeten eine Hölle gibt, in die man als Kellner wiedergeboren wird, wenn man nicht artig war, dann ist es das Café Du Monde.
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| Auch auf der anderen Flußseite gibt es ein Louis Armstrong Denkmal |
Der Laden ist sehr groß (Café und Terrasse, weite Wege) und hat rund um die Uhr geöffnet. Dafür ist die Speisenkarte sehr klein (paßte auf den Serviettenhalter). Essen: 3 Beignets (auf einem Teller, versteckt unter einer Schicht von 5-10 Millimeter Puderzucker der dann alles einsaut; Tische, Stühle, Gäste, einfach alles). Trinken: nur 7 oder 8 Getränke; Kaffee, Softs, Milch, noch erweitert durch klein/groß, heiß/kalt und evt. entkoffeiniert. Platziert wurde nicht, dafür hatte wohl niemand Zeit. Sobald ein Tisch frei wurde, kamen sofort neue Gäste. Die Kellner auf der Terrasse hatten nur 4 Tische mit je 4 Stühlen, und kamen wegen der hohen Gästefluktuation und der Sauerei auf den Tischen nicht nach. Direkt nach dem Servieren (große Schlitten, schweres Geschirr) wurde abkassiert. (Sie hatten eine Tabelle dabei, um den Gesamtpreis schneller zu errechnen). Brachten sie die Bestellung für Tisch 3 und 4, saßen an Tisch 1 und 2 schon wieder neue Gäste und schoben die Sauerei der Vorgänger von links nach rechts. Erfahrene Kellner konnte oder wollte das Café wohl nicht einstellen. Ich habe da jedenfalls keine Profis gesehen. Die Beignets und der Milchkaffee waren ok, aber auch nicht der Knaller. Wir sind auch gleich gegangen, nachdem wir unsere Portion verdrückt hatten.
Aber immerhin gab es Unterhaltung: wahrscheinlich wollte man uns am Karfreitag noch von dem sündigen (Nacht-)leben abhalten. Ein Kirchenchor, fast nur Frauen in schwarzen oder grauen Faltenröcken, formlosen Westen und hochgeschlossene Blusen sang mehrere Lieder. Hinterher gab es statt dem sonst obligatorischen Trinkgeldeimerchen jedoch kleine Zettel mit Texten zur Erbauung. Später entdecken wir weitere Mitglieder dieser Gemeinde. Sie laufen mit großen Kreuzen durch die Bourbon Street, in der inzwischen das Partyleben tobt. Einige Gäste verkleiden sich auch, so begegnet uns Homer Simpson in Feinrippunterhose auf dem Fahrrrad.
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| Nachtleben in der Bourbon Street |
Auch jetzt am Abend reisen noch viele Gäste an. Vor den Tiefgaragen und Hotel stehen die riesigen SUVs Schlange. Wir drehen noch eine kleine Runde und sind um 22.15. Uhr wieder im Hotel.